Christ-Sein in Afrika ein Reisebericht

Seit vier Jahren, als ich den aus Nigeria stammenden Dr. Emeka Emeakaroha, Pfarrer von Ober-Grafendorf & Weinburg, kennengelernt habe, ist es mein Wunsch mit einer Reisegruppe in sein Heimatdorf Umunohu zu reisen.

Am Weltmissionssonntag (21. Oktober) durfte ich am Nachmittag in einem Vortrag meine Eindrücke und Erlebnisse meiner Reise nach Nigeria – in die Heimat von Dr. Emeka – erzählen. Es waren ca. 50 Gäste da, worüber ich mich sehr gefreut habe. Das Ziel meines Vortrages war es, Emekas Projekte in unserer Pfarre noch bekannter zu machen. Und natürlich haben wir an diesem Nachmittag auch fleißig Pateneltern für Schulkinder, Brillen für die Patienten und Geld für seine Schule gesammelt. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die Emekas Projekte durch ihre Spende unterstützt haben und weiter unterstützen werden! Ein großer Dank geht auch an alle, die mir geholfen haben, dass dieser Nachmittag zu so einem schönen Fest der Hilfsbereitschaft geworden ist!

Gerne möchte ich hier noch von ein paar Eindrücken meiner Reise berichten. Denn sie hat mich tief in meinem Herzen bewegt und diese Gedanken möchte ich gerne mit euch teilen:

Diesen Sommer war es soweit. Egal welche Gedanken und Vorstellungen ich vor Reiseantritt hatte… es kam nicht an das heran, was wir im Endeffekt erlebt haben. Meine zwei großen Punkte, auf die ich mich am meisten freute waren eine Sonntagsmesse mitzuerleben und ich habe mich auch sehr auf die afrikanische Tracht gefreut, welche jeder Gast bei Emekas Eltern geschenkt bekommt. Was die Tracht betrifft, so war dieser Reisegrund eher nicht sehr löblich… was mir Gott auch mit viel Humor vergolten hat. Denn der Stoff, den ich geschenkt bekommen habe und aus dem mir eine Tracht genäht wurde… nun ja, wenn ich diese trage, dann sehe ich aus wie eine Riesenkoralle. Was mich jedes Mal aufs Neue zum Lachen bringt. ABER: Ich trage sie mit Stolz!

Was die Sonntagsmesse betrifft, so wurden meine Erwartungen mehr als nur erfüllt. Zuerst einmal: Uhren sind in Nigeria völlig unnötig! Der Messbeginn war nämlich um 10 Uhr angesetzt, begonnen hat die Messe um etwa 11 Uhr 30, als genügend Messbesucher da waren um mitfeiern zu können. Die Kirche war sehr gut besucht. Ein Drittel der Messbesucher bestand aus dem Chor. Der Klang war gewaltig. Übertroffen wurde das Ganze von den Musikern, die ihre Verstärker auf vollem Anschlag hatten. Jeder Teil der Messe – ob Kyrie, Gloria, Halleluja, Gabenbereitung…. – wurde sehr lange musikalisch untermalt und von Tänzen der Kinder und Jugendlichen begleitet. Die Lesungen wurden von Gemeindemitgliedern lautstark, spielerisch dargestellt. Bei der Kollekte wurden neben Geld auch Wasserflaschen, Klopapier, Hühnereier – selbst lebendige Hühner (Frischfleisch!) nach vorne getragen. Also wirklich in jeder Hinsicht ein Ereignis und man konnte sich vor Eindrücken kaum erwehren. Es gab jedoch eine Sache, die war in Nigeria genauso, wie ich sie von Österreich kenne. Wie sie wohl auch in Sri Lanka, Kanada, Indien, Australien….. ist. Die Wandlung! Jesus kommt – und ist DA! Egal wie laut, egal wie leise… ER IST DA! Und genau das verbindet uns Christen weltweit! Dafür danke ich Gott von ganzem Herzen!

Die nächste Vorstellung war die Armut. Auf Armut war ich gefasst – auf diese Armut nicht! Aber eine Sache war da, die unterscheidet unsere Gesellschaften sehr. Die Menschen dort lachen, singen, tanzen und sind glücklich mit dem wenigen, was sie haben. Ein Beispiel – der Marktbesuch: Ein Erlebnis, bei dem alle Sinne angesprochen wurden. Der Tastsinn – bei 5.000 Einwohnern sind 2.000 Marktbesucher unterwegs. Da darf man keine Berührungsängste haben. Der Hörsinn: eine Geräuschkulisse die kaum auszuhalten ist. Weil es eben so viele Menschen sind, überall Autos die durchfahren und Marktschreier unterwegs sind… Der Sehsinn: Waren liegen auf Plastikplanen oder Kartonunterlagen auf dem schlammigen Boden. Kinder, die mit Tabletts auf dem Kopf herumliefen und um wenige Neiras ihre Waren angeboten haben. Behinderte Menschen, die im Staub am Boden sitzen und selbstgemachte Musikinstrumente verkaufen. Es werden auch Dinge auf eine Art und Weise verkauft, da wird einem Europäer übel. Jede Art von Fleisch, tote und getrocknete Fische, welche für Fischsoße benötigt werden…. Was uns zum Geruchssinn führt: ein wahrhaft betörendes Potpourri aus totem Fisch, sonnengebräuntem Fleisch und Benzingestank. Einzig ausgelassen habe ich den Geschmackssinn, da ich Angst vor den Konsequenzen hatte. Und das, was mir am meisten aufgefallen ist… die Menschen wirken nicht unglücklich! Sie freuen sich über das, was sie haben und ärgern sich nicht über das, was sie nicht haben!

Das, was die Menschen vor Ort wirklich brauchen sind Bildungsmöglichkeit, ärztliche Versorgung und Grundkenntnisse in Hygiene und Müllentsorgung (nur durch Bildung zu erreichen). Emekas Projekte beziehen sich auf diese Dinge und das unterstützen wir gerne mit unserem Engagement. Wer sich darüber näher informieren möchte, kann dies unter emeka.at ausführlich tun. Vergelt´s Gott!

Verena Steger